Postkartenserie eines Arbeiters aus Danzig nach Horgen
Ich habe mich letzthin im Bildarchiv der ETH Zürich mit Postkarten aus Danzig beschäftigt. Dabei ist mir zufällig eine Serie von etwa achtzig Postkarten aufgefallen, die ein junger Schweizer Arbeiter namens Arnold Hofer von Ende 1922 bis September 1923 an den Fabrikanten Adolf Feller in Horgen geschickt hat.
Feller hat damals mit ihm korrespondiert und ihn finanziell und wohl auch moralisch unterstützt. Einmal schickte er ihm sogar einen Kessel mit Himbeerkonfitüre, was dann zu Problemen am Zollamt Danzig führte. Der Postkartenschreiber Arnold Hofer ist mir übrigens sonst in keiner Weise bekannt. Es gibt auch keinen Hinweis darauf, von wo in der Schweiz er stammte.
Relevanz
Sind Postkartentexte relevante historische Dokumente? Einerseits sind es meistens Kurztexte, die aus einer zufälligen, oft touristischen Situation entstanden sind und oft zu einer möglichst schönen Darstellung des Absenders und seiner Lage dienen sollten. Sie enthalten gewiss auch Inhalte, die dem Empfänger gefallen sollten. Bei den vorliegenden Postkartentexten ist zu berücksichtigen, dass der Schreiber in einer gewissen Abhängigkeit vom Empfänger Adolf Feller stand, der ihn zum Senden der Postkarten beauftragt hatte und finanziell unterstützte. Die Postkarten und Texte von Feller an Hofer und die separaten Briefe von Hofer an Feller sind übrigens meines Wissens nicht erhalten. Jedenfalls habe ich im Firmenarchiv Feller AG in swisscollections.ch keine entsprechenden Hinweise gesehen.
Im Unterschied zu vielen Postkartenschreibenden, die recht triviale Texte versandten, berichtet Arnold Hofer aber in kurzen Sätzen über sein Leben und seine Arbeit in einer Fabrik für Eisenbahnwaggons sowie über das soziale und wirtschaftliche Umfeld in Danzig. Es war damals gerade die Zeit der Hyperinflation in Deutschland, die sich auch im Gebiet der Freien Stadt Danzig entwickelte, da auch hier die Papiermark in Gebrauch war.
Historisch interessant sind die vorliegenden Postkarten vor allem dadurch, dass sie eine längere Zeitperiode abbilden, in der sich der Absender weiterentwickelte, eine Weiterbildung absolvierte und sich am Schluss noch einmal mit einer Postkarte von ganz anderswo meldete.
Die Bilder auf den Vorderseiten der Postkarten haben nur in den wenigsten Fällen einen Bezug zu den Kartentexten auf der Rückseite. Sie sind aber trotzdem bemerkenswert, weil der Absender von Adolf Feller den Auftrag hatte, aussagekräftige Darstellungen ohne Duplikate zu liefern. Das zwang den Absender dazu, überall in Danzig und in dessen Vororten immer neue Postkarten zu finden. Der Ort auf dem Poststempel sollte auch immer mit dem Ort des Postkartenbilds übereinstimmen – das vereinfachte die Arbeit des Absenders auch nicht, denn er musste deswegen mit den richtigen Karten zum richtigen Briefkasten reisen.
Vorbemerkungen zur Präsentation der Kartentexte
Die folgenden Texte stammen aus einer Auswahl der Postkarten. Zahlreiche Karten habe ich weggelassen, weil sie nur Aussagen zum Wetter oder Administratives zum Postkartenversand enthalten.
Vor jedem Postkartentext steht der relevante Teil des Bildarchiv-Bildcodes der Postkarte.
Die Angaben zu Absendeort und -datum habe ich standardisiert. Oft folgt auf das Datum eine Sequenznummer, wenn der Absender nämlich ein ganzes Bündel Postkarten am gleichen Tag abschickte.
Die Anrede und die Grussformel in den Postkartentexten habe ich in der Regel weggelassen, ohne Auslassungszeichen zu setzen. Einige wenige Auslassungen innerhalb der Texte habe ich mittels […] markiert. In eckigen Klammern stehen einige erklärende Einfügungen von mir.
Sonst aber sollen die unveränderten Texte hier selbst für sich sprechen.
Anleitung zum Lesen der Postkartentexte
Die Postkartenrückseiten mit der Botschaft sind nachfolgend verlinkt. Um diese gut lesen zu können, muss das Bild um 90 Grad gedreht werden. Hier eine kleine Anleitung dazu, funktioniert in Microsoft Edge und Chrome (mit Adobe Express Erweiterung):
- Postkarten-Link (mit Endung auf -VE) anklicken (mit CTRL + Link klicken wird das Bild in einem neuen Fenster geöffnet)
- Postkarte mit rechter Maustaste anklicken
- Funktion «Bild bearbeiten» anklicken
- Symbol für Linksdrehung des Bilds wählen
- Nun kann die Postkartenrückseite aufrecht gelesen und auch vergrössert dargestellt werden.
- Mit Auswahl X (Aktion «Bildfenster schliessen») zurück zum Blogpost
Die Postkartentexte
Fel_021082: Danzig, Partie am Krantor, geschrieben am 28.12.1922
Bis jetzt habe ich den Scheck noch nicht einlösen können. Bald werde ich doch von der Landw. Bank die Anweisung bekommen. Sie müssen den Scheck erst nach Berlin schicken. Die Bank ist nur bis 3 Uhr offen und da muss ich immer die Zeit abwarten, wo ich von der Arbeit weg kann.
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Fel_021084: Danzig, Totalansicht, Sternwarte, St. Marienkirche, geschrieben am 5.1.1923

Hier am Wasser zeigt sich der Fischmarkt.
Letzt. Donnerstag habe ich gehört, dass noch 38 Schweizer kommen sollen.
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Fel_021076: Danzig, Dominikswall, Rathaus, Langenmarkt, Hauptwache und Stockturm, Der Hafen, geschrieben am 5.1.1923
Endlich habe ich das Geld von der Bank erhalten. Nun habe ich die Karten gekauft.
Es grüsst mit Hochachtung Hofer Arnold
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Fel_021104: Danzig, Bahnhof, geschrieben ca. am 7.1.1923

Befinde mich wohl. Bis jetzt war es noch nie recht kalt gewesen, höchsten 15° C.
Hier durch ist mein Weg zur Arbeit.
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Fel_021102: Danzig, Trinitatis-Kirche, geschrieben am 5.1.1923
Unser Lohn ist jetzt 315 M[ark]. Die Lebensmittel sind gerade um das gestiegen.
Bis jetzt sind es 10 Karten und jetzt noch ein pa[a]rmal soviel.
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Fel_021128: Danzig, Kgl. Generalkommando, Kgl. Zeughaus, Hauptbahnhof, Mottlau, 5.1.1923
Heute habe ich ein Lehrbuch der Geometrie gekauft, und jetzt werde ich mir mit dem die Zeit vertreiben.
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Fel_021107: Danzig, Mottlau, geschrieben am 10.1.1923
Morgen, Donnerstag, kommen 35 Schweizer nach Danzig. Da werden wir einen Jodlerclub gründen. Bis jetzt waren wir nur unser 4 Sänger. Die Franzosen sind in Essen eingezogen [Besetzung des Ruhrgebiets durch französische Truppen 1923] und hier ist fast in allen Geschäften Ausverkauf.
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Fel_021135: Danzig, Rathaus, geschrieben am 10.1.1923

Ich arbeite mit 4 Ukriner [Ukrainern] zusammen und bei denen lerne ich ukrainisch, kann mich schon ziemlich verständ[igen].
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Fel_021109: Danzig, Langermarkt, Rathaus u. Marienkirche, geschrieben am 11.2.1923
Auf dem Waggonbau haben schon viele das Leben verloren, durch den Krahn [sic]. Es wird halt immer zu unvorsichtig hantiert. Freundliche Grüsse aus Danzig. Arnold
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Fel_021129: Danzig, Brotbänkengasse, geschrieben am 13.1.1923
Wir sind unser 16 Schweizer in einem Zimmer, das wäre noch gemütlich, aber wenn ich etwas für mich machen will, so bin ich immer gestört. Alle machen immer einen Krach und können sich nirgends still haben.
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Fel_021140: Danzig, Frauengasse, geschrieben ca. am 13.1.1923
Leider ist jetzt die Post zu und ich habe die Marken schon eingekauft und jetzt lese ich gerade Ihren Bericht. Heute muss ich noch ein paar Karten schicken, es ist gerade die höchste Zeit. Sie werden teurer. Auf den nächsten werde ich andere Marken aufkleben. Es gibt noch viel.
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Fel_021108: Danzig, Langgasse, geschrieben ca. am 13.1.1923

Die Stadt Danzig für sich wäre schon schön, aber es ist ein wenig schmutzig hier. Man merkt es gut, dass es gegen Russland zu geht.
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Fel_021137: Danzig, St. Katharinenkirche u. alte Mühle, geschrieben ca. am 13.1.1923, Karte 1/2
Jetzt verdiene ich in der Stunde mit Ak[k]ord 400 M[ark]., das macht in der Woche ungefähr mit den Kassenabzügen 19’000 [?] M. Das Zimmer kostet für jeden tägl. 200 M, der Kaffee 20 M, Brot, Margarine, Wurst, Zucker etc. ung[efähr]. 2’000 M. und dann noch die Steuer und bald [Fortsetzung auf nächster Karte]
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Fel_021136: Danzig, Katharinenkirche und Müllergewerkhaus, geschrieben ca. am 13.1.1923, Karte 2/2

nun [?] schon jetzt muss ich ein neues Überkleid haben und ein Paar Arbeitsschuhe. Die Verpflegung werde ich Ihnen später mitteilen.
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Fel_021103: Danzig, Grosse Mühle, geschieben ca. 13.1.1923
Heute bekomme ich gerade den Brief, der mich sehr freut sowie auch die Karte vom Zürichsee. Horgen scheint eine sehr schöne Lage zu haben.
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Mit freundlichem Gruss und vielem Dank verbleibt Hofer Arnold
Fel_021086: Danzig, Kuhtor und Kuhbrücke, geschrieben am 20.1.1923

Mit grossen Freuden und vielem Dank habe ich den Scheck erhalten. Ich werde ihn am Montag abhohlen [sic]. Jetzt habe ich wieder andere Marken gekauft (Flugp[ost]). Es sind noch Marinemarken vorhanden und ich werde mich bemühen in Besitz solcher [zu] gelangen.
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Fel_021139: Danzig, Joppengasse mit Marienkirche, geschrieben am 20.1.1923
Am 18.I.23 hatten die deutschen Arbeiter Versammlung und erwarten [erwähnten?] dabei, dass alle Arbeiter vom Ausland Danzig verlassen müsse[n], weil vom Ruhrgebiet keine Kohlen mehr geschickt werden.
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Fel_021092: Danzig, Blick auf Petershagen, geschrieben am 20.1.1923

Auf dieser Karte zeigt sich ein Stück vom Bischofsberg [poln. Biskupia Górka]. Rechts oben wo das Kreuz ist, da ist die Kaserne, mein Logis.
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Fel_021112: Danzig, Nordische[s] Venedig, geschrieben ca. am 22.1.1923
Heute wollte eine Dame auch von diesen Marken kaufen, aber sie hatte Mühe solche zu bekommen, weil sie sehr rar sind. Gegenwärtig hat es nur Marken à 1, 10, 20 und 50 M[ark].
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Fel_021144: Zoppot, geschrieben am 28.1.1923
Zwischen Zoppot [poln. Sopot] und Danzig ist ein grosser Unterschied, was auch begreiflich ist, da das Strandbad eine grosse Rolle spielt. Es ist also herrlich in Zoppot.
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Fel_021134: Danzig, Artushof, Börse, geschrieben am 22.1.1923, Karte 1/4
Gegenwärtig ist es ziemlich kalt und windig. Die Arbeit ist nicht gerade angenehm, denn ich habe Frost und Brandwunden an den Händen.
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Fel_021096: Danzig, Kriegsschule, geschrieben vor 24.1.1923, Karte 2/4
Es gibt auch Tage wo wir nicht arbeiten können, weil es zu arg stürmt. Auch geht mir gegenwärtig die Zeit langsam vorbei, denn es ist nicht viel zu lernen beim Waggonbau.
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Fel_021110: Danzig, Marienkirche, geschrieben ca. am 24.1.1923
Am 21.I. (Sonntags) haben uns 3 Schweizer Eisenbahner besucht. Unser Leben geviel [gefiel] ihnen durchaus nicht. Musste mich bald verwundern, weil ich mich bald an das gewohnt bin.
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Fel_021097: Danzig, Radaunepartie mit der Promenade, geschrieben ca. am 24.1.1923, Karte 3/4
Wünschte mir einige Zeit im Elektromotorenbau zu arbeiten, auf der Danziger-Werft, um dann später eine Maschinistenschule besuchen zu können.
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Fel_021095: Danzig, Mattenbuden, geschrieben am 22.1.1923, Karte 4/4
Es ist aber schwer dazu zu kommen, besonders wenn ich noch nie auf solchem gearbeitet habe. Habe mir auch Bücher gekauft über Elektropraktik und Technik. Es ist aber nicht ausreichend.
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Fel_021111: Danzig, Mottlau, Fischmarkt, Elektrizitätswerk, Fliegeraufnahme aus 100 m. Höhe, geschrieben ca. am 27.1.1923
Vor Kurzem habe ich geschrieben, dass eine Karte 120 M. kosten soll (resp. Marke), es war so im Blatt und da wurden sie reduziert. [?]
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Fel_021145: Zoppot, Ostseebad, von der Brücke, geschrieben am 28.1.1923
Nun muss ich auch einmal von meinem Sport was berichten. Wir sind unser 8 und manchmal 10 Sänger und da jodeln und singen wir immer, wenn wir einen Ausflug machen.
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Fel_021147: Ostseebad Zoppot, Strand, geschrieben ca. am 28.1.1923

Dabei bin ich als Oberjodler gewählt. Die Danziger höhren [hören] uns sehr gerne zu und zwar mit offenem Munde und schauen einander verwundert an, denn sie haben noch nie sowas gehöhrt [gehört].
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Fel_021146: Zoppot, Strand u. Kurgarten, geschrieben ca. am 28.1.1923
Ich freue mich auf den Sommer, wenn ich noch hier bleibe, werde ich an den Sonntagen auch das Seebad [in Zoppot] geniessen.
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Fel_021143: Ostseebad Zoppot, Seesteg mit Kurhaus, geschrieben am 28.1.1923
Heute ist sehr schönes Wetter und das Herz lacht einem vor Freuden, denn der Frühling ist nicht mehr so weit. Wenn nur die Zukunft erfreulicher wäre.
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Fel_021113: Danzig, Langemarkt und Langgasse mit Rathaus, Fliegeraufnahme aus 150 m Höhe, geschrieben am 2.2.1923, Karte 1/3
Mit grossen Freuden habe ich Ihre 2 Karten erhalten. Dass Sie aber die 2 Karten nicht erhalten haben, das beleidigt mich. Von Zoppot sollen Sie jetzt lt. Verzeichnis 5 Karten und von Danzig 26 St. [Stück] haben.
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Fel_021133: Danzig, Frauengasse mit der Sternwarte, geschrieben am 2.2.1923, Karte 2/3
Letzten Sonntag war ich eben in Zoppot und habe die Karten abgeschickt und das Wetter war dabei schlecht und hatte eine sehr grosse Windstärke, wie ich noch nie erfahren habe. Werde bald ein Brief schreiben über die Verhält. [Forts. auf Karte III]
III Ihr Anerbieten eines K. Confit. [Kessels Confitüre] würde mir sehr grosse Freude machen.
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Fel_021083: Danzig, Kriegsschiffe und Dock auf der Kaiserlichen Werft, geschrieben ca. am 3.2.1923, Karte 3/3

da es auf den Karten nicht gut zu machen ist, wenn sie vielleicht gestohlen werden. Gegenwärtig bin ich etwas krank auf den Nieren, wa[h]rscheinl. vom Wassertrinken (gegw. weil nur immer schwarz. Kaffee), da ziehe ich vor, früh ins Bett zu gehen. Bald mehr. Gute Nacht
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Fel_021120: Danzig, Schützenhaus, Kriegsschule, Bahnhof, geschrieben am 13.2.1923, Karte 1/3

Habe eben Ihre Karte mit Dank erhalten. Gegenwärtig bin ich aber im Krankenhaus. Habe mich erkältet und dadurch Schmerzen in der Nierengegend. Es ist aber nicht gefährlich, jedoch muss ich die Korrespondenz etwas einstellen, was mir sehr leid tut.
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Fel_021119: Danzig, Eimermacherhof, geschrieben am 13.2.1923, Karte 2/3
Ich kann Ihnen mit Vergnügen mitteilen, dass es von Zoppot wie von Danzig noch eine Anzahl Karten hat, aber natürlich nur in verschiedenen Geschäften. Von Oliva, Langfuhr [poln. Wrzeszcz], Brösen [poln. Brzeźno], Neufahrwasser [poln. Nowy Port], Ora [poln. Ohra] und Praust [poln. Pruszcz Gdański] haben Sie noch keine Karten.
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Fel_021122: Danzig, Partie in der Frauengasse, geschrieben am 13.2.1923, Karte 3/3

Sobald ich wieder aus dem Spital komme, werde ich die Quartiere besuchen und werde mir Mühe geben, die letzte Karte aufzufinden. Heute fängt es wieder an zu schneien, aber trotzdem kann man bald an den Frühling denken.
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Fel_021124: Danzig, Justizgebäude, geschrieben am 14.2.1923, Karte 2/3
Habe Ihnen einmal mitgeteilt, dass es noch Briefmarken gibt mit Segelschiff, sie sind aber nicht mehr zu kriegen. Einer wollte mir eine verkaufen zu 3000 Mark, [Fortsetzung auf nächster Karte]
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Fel_021130: Danzig, Artushof, geschrieben am 14.2.1923, Karte 3/3
da ich aber zur Zeit kein Geld hatte, und es nur eine à 2 Mark war, habe ich sie nicht gekauft und jetzt ist er fort. [Ich] Komm bald wieder nach Hause, resp. vom Spital weg.
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Fel_021125: Danzig, Jüngstes Gericht in der Oberpfarrkirche St. Marien, geschrieben am 25.2.1923
Die Confitüre ist noch nicht angelangt. Ein Paket hat von der Schweiz bis hier schon 3 Wochen gedauert. Mir geht es jetzt gut und ich glaube, dass ich am Mittwoch raus komme. […]
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Fel_021090: Danzig, Grosse Mühle und St. Katharinen-Kirche, geschrieben am 5.3.1923, Karte 1/4
Gestern bekam ich die Karte, die mein Freund verloren hatte. […] Ich habe sie mit der Luppe [Lupe] durchgeschaut und glaubte dabei Ihre Fabr[ik] zu sehen. Es muss ganz schön sein da, oder nicht?
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Fel_021098: Danzig, Karpfenseigen, Königliche Navigationsschule, geschrieben am 5.3.1923, Karte 2/4

Sie haben mich gefragt, ob ich sonst etwas nötig habe. Geehrter Herr, ich möchte nicht zu frech sein, aber ich muss Ihnen doch mitteilen, dass ich an Kleidungsstücken grosse Mängel leide. Jetzt habe ich wo[h]l einen neuen Anzug, aber an Werktagen sehe ich aus wie …! Ich war immer froh, wenn es finster war, wenn ich nach Hause komme. [Forts. auf nächster Karte]
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Fel_021093: Jaeschkental b. Danzig, geschrieben am 5.3.1923, Karte 3/4
Jetzt ist es schon hell nach Feierabend und ich muss mich schämen, mit meinen Kleidern Ihre Geschäfte zu verrichten. Ich bin ganz armselig nach Danzig gereist, und hier ist es mir unmöglich etwas anzuschaffen. Es fehlt mir an Hemden, Socken, Hut für Sonntag und Hosen.
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Fel_021115: Danzig, Feuer-Sozietät, geschrieben am 5.3.1923, Karte 4/4
Bin noch immer im Krankenhaus und vernehme von meinen Freunden, dass sie im Frühling alle nach Hause wollen. Nur ich bleibe noch hier, denn ich will im Frühling eine Maschinistenschule besuchen. Es kommt mir hier billiger. Da ich doch wenigst Arbeit habe. Die Konfitüre ist noch nicht angelangt und auch kein Briefchen, wie Sie auf der Karte erwähnten.
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Fel_021087: Danzig, Total, Petrikirche, geschrieben am 12.3.1923, Karte 1/7
Nun endlich ist die Confitüre angelangt. Bin noch immer im Spital und da habe ich am Freitag Urlaub verlangt und wollte sie abholen. Da hiess es, der Zoll koste 22’000 M[ark]. und dazu sei noch Einfuhrsverbot für Marmalade [sic].
Fel_021087-VE
Fel_021126: Danzig, Petrikirche, geschrieben am 12.3.1923, Karte 2/7
Erstens, sagte ich, sei es ein Liebesgabenpaket und zweitens bezahle ich überhaupt nicht mehr als den Wert der Ware. Dies Paket würde unbedingt nicht als Liebesgaben betrachtet, weil nicht von einer Sorte nur soviel geschickt werden dürfe. Das ist aber ärgerlich, sagte ich zum Beamten, da kann ich ja für dies Geld hier auch Marmalade kaufen, – jedenfalls aber nicht so gute.
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Fel_021131: Danzig, Langgasser Tor, geschrieben am 12.3.1923, Karte 3/7

Ich sah die Confitüre vor mir und konnte sie nicht haben, das war eklich und es schnürte mir die Kehle zu. Ich bekam eine ordentl. Wut über das Zollamt. Was soll ich nun machen? Zurück senden, das wäre eine grosse Beleidigung für Sie und ich brachte es nicht übers Herz, diese gute Confitüre nicht zu schmecken, besonders weil es Himbeer ist. Geld hatte ich niemals soviel und trotzdem ging ich auf die Aussenhandelsstelle und [Forts. nächste Postkarte]
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Fel_021132: Danzig, Altes Kanzelhaus, geschrieben am 12.3.1923, Karte 4/7
verlangte eine Einfuhrbewilligung, welche ich ausfüllte und am anderen Tag mit der Unterschrift und dem Amtsstempel dieses Amtes versehen wurde. Ich bezahlte dafür 87 M. Nun ging ich mit der Einfuhrbewilligung wieder auf das Zollamt und zufälligerweise bediente mich dann ein anderer Herr und der rechnete den Zoll auf 5’080 M[ark].
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Fel_021077: Danzig, Generalkommando, Rathaus, Hauptwache und Stockturm, Marienkirche, Grosse Mühle, Die Mottlau, Portale in Alt-Danzig, geschrieben am 12.3.1923, Karte 5/7
Man sieht daraus, dass diese Beamten nach ihrem Gutdünken handeln. […] Dann wollten sie noch den Kessel aufgemacht haben, um zu sehen, ob 50% Zucker enthalten sei. Als ich ihn etwas spöttisch anschaute, beharrte er doch auf seiner Forderung und ich machte [den Kessel] auf und bald hatten sie von der Marmalade geschmeckt. Nun zahlte ich diesen Zoll mit dem Geld meines Freundes, der noch etwas Schweizergeld hat und ich freue mich sehr über dies Geschenk.
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Fel_021094: Danzig, Partie am Holzmarkt mit Silberhüttenstrasse, geschrieben am 12.3.1923, Karte 6/7
Nun ist meine Confiture zu Hause und sie schmeckt sehr gut und ich spreche meinen herzlichsten Dank aus wie auch meine Freunde! Sie werden Ihnen durch die Post den Zoll einziehen wollen, aber ich kann das nicht zulassen, wenn Sie ihn auch nicht zahlen – bezahlt ist es schon. Das Zollamt denkt dabei, mir den Betrag wieder zurückzugeben.
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Fel_021088: Danzig, Am Krantor, geschrieben am 12.3.1923, Karte 7/7

Am 20. III. werden 20 Schweizer nach Hause fahren und ich werde wahrscheinlich der einzige sein, der noch hier bleibt. Erstens will ich meine Karten alle schicken und das geht noch ein Weilchen und zweitens will ich nicht nach Hause ohne Arbeit und meiner Mutter das Brot wegne[h]men.
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Fel_021138: Danzig, Wollwebergasse, geschrieben am 23.3.1923
Nun bin ich eine Woche aus dem Spital und arbeite wieder. Es ist herrliches Wetter und ich bin schon ziemlich braun von der Sonne, denn ich arbeite draussen auf Waggon.
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Fel_021078: Danzig, Bei den Anlagen, geschrieben am 23.3.1923
Heute haben wir wieder Zahltag gehabt, aber ich hab nicht viel bekommen, weil ich krank war. Ich werde noch einen Brief schreiben, wo ich mein Befinden etwas besser berichten kann.
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Fel_021116: Danzig, Weichselmünde, Festung, Fliegeraufnahme aus 100 m Höhe, geschrieben am 23.3.1923

Am 6. April fängt die Maschinistenschule an, aber ich kann sie leider nicht besuchen. Heute gehen 10 Schweizer nach Hause und über Ostern noch mehr, bis bald alle zu Hause sind. Auf dem Brief mehr.
Fel_021116-VE
Fel_021101: Danzig, Sporthalle, geschrieben am 4.4.1923, Karte 1/4
Geehrter Herr Feller!
Nun habe ich das Geld bekommen und ich habe mir einen Sonntagshut für 24’000, ein Hemd 29’000 und jetzt habe ich noch eine Arbeitshose gekauft für 28’500 M[ark]. Nun kann ich unscheniert umher laufen. Ich werde eines Abend[s] nach Langfuhr gehen wegen den Karten.
Fel_021101-VE
Fel_021118: Danzig, Steffenspark, geschrieben am 4.4.1923, Karte 3/4

[…] Im Sommer wird es hier ganz schön sein, da werde ich an schönen Sonntagen nach Oliva, Praust, Brösen etc. fahren und die Karten schicken. Langfuhr, Neufahrwasser und Ora sind die nächsten Quartiere, etwa 3/4 St[unden] von hier, da kann ich schon am Abend gehen.
Fel_021118-VE
Fel_021114: Danzig, Blick auf alten Seepackhof, geschrieben am 4.4.1923, Karte 4/4

Alle andern Ortschaften brauchen schon einen Ausflug am Sonntag, es kost immer schon 700 bis 900 M[ark]. nur die Fahrt. Bis jetzt war ich noch nicht viel fort gewesen, das werden Sie an den Karten sehen, aber bald geht es los.
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Fel_021157: Langfuhr, Marktplatz, geschrieben am 5.4.1923, Karte 1/4
Ich bekomme so langsam den Eindruck, dass es auch ohne Gebirge schön sein kann, nur wenn man so allein spazieren muss, dann sehnt man sich immer nach jemandem, und erst jetzt im Sommer.
Fel_021157-VE
Ans_05338-01-156-AL-FL: Danzig, Dampfer Columbus vor dem Stapellauf, 1917-1925

Fel_021158: Danzig, Langfuhr, Kaserne Leibhusaren-Regt, geschrieben ca. am 7.4.1923, Karte 2/4
Gestern habe ich eine Karte vom „Columbus“ geschickt, der schon einige Jahre im Bau ist und erst nächstes Jahr fertig wird, das ist aber ein mächtiges Schiff. Die Länge beträgt 220 m und die Breite 25 m.
Fel_021158-VE
Fel_021154: Danzig, Langfuhr, Christus-Kirche, geschrieben am 5.4.1923, Karte 3/4
Am 28. März war es 6 Monate, dass wir in Danzig sind [also war Arnold Hofer seit Ende Sept. 1922 in Danzig], wie lange es noch gehen wird, das weiss ich nicht, wenn die Arbeit in der Schweiz wieder zunimmt. Ich hatte schon im Sinn, nach Ukrain zu fahren, um dort das Glück zu versuchen.
Fel_021154-VE
Fel_021156: Danzig, Langfuhr, Uphagenpark, Villen, geschrieben am 5.4.1923, Karte 4/4
Wir dürfen hier in Danzig nur auf der Werft arbeiten, ansonst wir ausgewiesen werden. Wie lange uns die Werft noch braucht, das ist unbestimmt. Ich habe einen Ukrainer Stud. elktr. [?] kennen gelernt und der erzählte mir, dass es dort für mich gut wäre.
Fel_021156-VE
Fel_021117: Danzig, Schichauwerft, geschrieben am 4.4.1923
Weil oben gerade erwähnt: eine Ansicht der Danziger Werft, die gut zum Text der Karte Fel_021156 passt.

Fel_021167: Luftkurort Oliva, Blick vom Carlsberg, geschrieben am 30.4.1923
Mit grosser Freude habe ich die Nachricht von Ihnen erhalten. Ich bedauere Ihre Unpässlichkeit und wünsche Ihnen gute Besserung. Verzeihen Sie, dass ich Ihnen nicht eher Karten geschickt habe. Ich bin gegenwärtig in Konkurs, wegen dem Schulgeld.
Fel_021167-VE
Fel_021174: Danzig, Schwabenmühle b. Schwabental [poln. Dolina Szwabego], geschrieben am 11.5.1923
Es ist nicht viel neues zu berichten, als dass die Mark wieder stark gefallen ist, oder der Dollar gestiegen, wie man hier sagt und alles teurer geworden ist.
Fel_021174-VE
Fel_021176: Oliva, Klosterstrasse, 11.5.1923
[…] Erst vor einer Woche haben sich hier die Bäume grün gefärbt. Kann aber die Naturschönheiten nur an einem Sonntagnachmittag geniessen, da ich von der Schule stark in Anspruch genommen bin.
Fel_021176-VE
Fel_021151: Zoppot, Erlöser-Kirche, geschrieben am 17.5.1923
Nun hab ich Arbeit genug vor Augen. Am Montag, Dienstag und Freitag von 6-9 1/2 hab ich Schule und die anderen Tage brauch ich für die Schulaufgaben. Dann mach ich noch Überstunden und Sonntagsarbeit.
Fel_021151-VE
Fel_021179: Danzig, Ostseebad, Bohnsack [poln. Sobieszewo], geschrieben am 10.6.1923
Habe den Einschreibebrief mit viel Freude erhalten, wofür ich herzlich danke. Es werden bald eine Anzahl Karten ankommen von Oliva. Hier ist es sehr schön, so auf dem Land, wie zu Hause.
Fel_021179-VE
Fel_021177: Ostseebad Heubude, Landungsplatz, geschrieben am 12.6.1923
Hier ist es auch ganz schön, aber wenn man so einen Ausflug macht und in Wirtschaft essen muss, dann kommt das sehr teuer. Ein Mittagessen kostet 12’000 M[ark]. Mit der Schweiz ist aber die Gegend hier doch nicht zu vergl.
Fel_021177-VE
Fel_021159: Oliva, Klosterkirche, geschrieben am 20.6.1923, Karte 1/4
Habe Ihre Karte mit bestem Dank erhalten aber auch mit Staunen. War immer der Meinung, ich hätte Ihnen die Karten geschickt mit dem Dank für den Einschreibebrief.
Fel_021159-VE
Fel_021170: Oliva, Der Marktplatz, geschrieben am 20.6.1923, Karte 3/4

Es tut mir wirklich leid, dass ich Sie durch die Schule etwas vergessen habe. Was sagen Sie dazu, dass der Dollar auf 181’000 M[ark]. war. Das will kein Ende nehmen. Es nimmt mir ganz den Mut z[um] weiter studieren. [Forts. auf nächster Karte]
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Fel_021169: Oliva, Im Schlossgarten, geschrieben am 20.6.1923, Karte 4/4
den[n] ich kann ja nicht wissen, ob ich noch vorher nach Hause komme, oder wo anders hin. Die Lebensmittel steigen wahnsinnig und v[on] Lohnerhöhung wird selten was bemerkt. Wir haben jetzt in der Stunde 2’500 M[ark] und ein Kilo Brot kost. 3’300 M., 1/4 Pfd [Pfund] Wurst = 3’000 M.
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Fel_021106: Danzig, Langebrücke, geschrieben am 4.7.1923
Eben bekomme ich Ihre Karte. Die beiden Karten hatte ich schon längst geschrieben, wie Sie sehen. Damals waren wir sehr lustig und gingen beim Briefkasten vorbei und ich dachte erst zu spät daran, wo ich nicht mehr zurück konnte. Nun hab ich sie in Danzig eingeworfen. Ich gehe auf alle Välle [Fälle] wieder dahin und werde an Sie denken.
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Fel_021178: Oliva, Klosterkirche, geschrieben am 5.7.1923
Es tut mir leid, dass ich Ihnen nicht viel zu erzählen weiss. Kann nur erwä[h]nen, dass es in Oliva schön ist. Was will ich aber rühmen, wenn es in der Schweiz schöner ist.
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Fel_021171: Oliva, Turm auf dem Karlsberg, geschrieben am 5.7.1923
Endlich ist wieder mal schönes Wetter, wo man spazieren kann. Da wird man sehr reiselustig.
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Fel_021172: Oliva [poln. Oliwa], Glettkau, Seesteg, geschrieben am 5.7.1923

Bis hier nach Oliva muss ich gehen, wenn ich einigermassen einen Wald sehen will.
Bei Ihnen werden die Kirschen schon reif sein, oder! Hier sind erst auf dem Markt ausld. [ausländische] 1 Pfd [Pfund] = 18’000 M[ark]. = 4 Stdlöhne.
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Fel_021121: Danzig, Alte Mühle, geschrieben am 9.8.1923
[…] Werde morgen nach Heubude [poln. Stogi] gehen und Karten schicken. Es sind sehr schlechte Zeiten. Heute um 8 Uhr hat der Generalstreik begonnen. Habe schon 3 Tage nichts als Brot gegessen. Ich hätte Ihnen gerne mehr Karten geschickt, aber die Not ist gross. Verzeihen Sie mir!
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Fel_021153: Danzig, Neufahrwasser, Kriegsflotte im Hafen, geschrieben am 19.8.1923
Endlich komme ich dazu Ihnen wieder einige Karten zu schicken. Es ist wieder etwas besser und man kann einigermassen besteh’n, bloss das Wetter taugt nichts. Hier in Neufahrw[asser] [poln. Nowy Port] fahren sämtl[iche] Schiffe ein.
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Fel_021099: Danzig, Friedrich Wilhelm Schützenhaus, geschrieben am 18.8.1923
Hier in diesem Haus hatten wir die schöne Augustfeier. Herrn [sic] Oberst Renier war auch dabei und Herrn Dr. Ing. Diethelm, der Präsident ist im Club.
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Fel_021155: Langfuhr, Christuskirche, geschrieben am 20. August 23
Langfuhr ist auch eines der schönsten Quartiere in Danzig, besitzt aber kein Strandbad. Jetzt haben wir vielleicht 14 Tage schönes Wetter gehabt, diesen Sommer. Ist schon bald vorbei.
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Fel_021164: Oliva Danzig, geschrieben am 26.9.1923, Karte 1/5
Endlich bin ich frei von Schule und habe Zeit einige Karten zu schicken. Habe die Prüfung gut bestanden und bin im Begriffe auf ein Schiff zu gehen [wohl um dort als Maschinist zu arbeiten].
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Fel_021162: Oliva, geschrieben am 26.9.1923, Karte 2/5
Wenn im Fall sich kein Schiff zeigen würde in Danzig, dann wäre ich gezwungen nach Belgien zu fahren. Bin schon halb reisebereit.
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Fel_021161: Oliva, Schloss und Kirche, geschrieben am 26.9.1923, Karte 3/5
Auf der Werft werden sämtl. Ausländer entlassen und auf dem Waggonbau sind sie schon, wo ich war. Nun bleib ich mit Hilfe v[om?] Schweizerclub hier, bis ich eine Stelle als Maschinistenassistent habe. […] [Anmerkung] Diese Karten waren ein Album.
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Fel_021165: Oliva, Schlosspark, geschrieben am 26. Sept. 1923, Karte 4/5
Ein grosses Wunder muss ich Ihnen erzählen: „Ich bin — Miliardär“ geworden —!
Nur weiss ich nicht, was ich mit dem Geld anfangen soll, um nicht bald wieder aufhören zu müssen. Guter Rat ist jetzt auch teuer!
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Fel_021163: Oliva [poln. Oliwa], Partie im Schlossgarten, geschrieben am 26.9.1923, Karte 5/5
Jetzt ist es wieder etwas angenehmer zu leben, hier. Die Mark steigt wieder ein wenig. Wer diesmal das Geld nicht eingewechselt hat, der hat gescheit getan. Sie werden sehen, dass Sie mir einstweilen nicht schreiben können, bis ich die neue Adr[esse] schicke
Mit Gruss Arnold
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Fel_047174: Frankfurt a. M, Eiserner Steg mit Dom, Frankfurt a. M., Eiserner Steg mit Dom, geschrieben am 12.10.1923

Unverhofft musste ich die Reise statt nach Belgien, nach der Schweiz antreten, die Ursache wird Ihnen bekannt sein. Habe das Geschäft weiter gegeben mit den Karten. Die herzlichst. Grüsse A. Hofer
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Fel_056416: Tarbes, Vue sur les Pyrénées, geschrieben Dezember 1923

Ich bin natürlich sehr froh, dass ich wieder Arbeit auf dem Berufe habe, ich arbeite in der Construction d’electrique de france [Constructions Electriques de France, bauten elektrische Lokomotiven] als Dreher und die Arbeit gefällt mir gut. Ich werde in nächster Zeit einen ausführlichen Brief schreiben.
Es grüsst Sie herzlich Arnold Hofer
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Unbekannt: Danzig, Mottlau, 1923 (Fel_021107-RE, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000124413)


Lieber Koni
Was für eine spannende Geschichte! Mit grosser Freude habe ich sie verschlungen. Vielen Dank, dass du sie ans Licht gebracht hast. Gerne würde man mehr über Arnold Hofer erfahren. Was ist aus ihm geworden? Wohin hat es ihn noch verschlagen? Und was für unsichere Zeiten das damals waren!
Endlich hat jemand etwas mit den PK-Texten der Feller-Sammlung gemacht. Diese schlummern seit Jahren bei uns. Vielen lieben Dank auch dafür!
Schönes Wochenende, Nicole
Danke, liebe Nicole, für den Kommentar! Nein, es gibt keine Infos, was aus Arnold Hofer geworden ist. Es gibt noch ein paar Postkarten aus Lourdes und diese Karte aus Tarbes vom 13. April 1924:
„Cher monsieur! J’ai reçu votre jolie carte de Thalwil, je vous remerci bien. Ici c’est un très mauvais temps. On ne peut pas sortir. Les mejeure Salutations A. Hofer“
Was mich etwas erstaunt hat, das ist die Tatsache, dass man mit den Suchbegriffen „Arnold Hofer“ die meisten seiner Postkarten aus Danzig gleich findet. Wie wenn die Postkartentexte und die Namen darin in die Bilddatenbank eingearbeitet wären.
Wow – das sind „Wahnsinns-Zeitdokumente“!
Und dazu noch ein Hinweis, wie Feller seine Kartensammlung vorangetrieben hat.
Einer meiner Grossväter war etwa zur selben Zeit auf der Walz in Norddeutschland und konnte als Handwerker nur mit Hilfe der Familie überleben. Um bei der damaligen rasanten Teuerung/Inflation – fast im Tagetakt – möglichst wenig vom Geldwert zu verlieren, wurde ihm wöchentlich ein „Fünflieber“ geschickt, der dann zum Tageskurs gewechselt wurde. Auch er war „Milliardär“ 😉
Danke für diesen Beitrag – er ist eine bestätigende Quelle zur Erzählung in meiner Verwandtschaft.
August Berlinger
Sehr schöne Arbeit. Ich gratuliere dir, Koni.
Eigentlich war ich ja auf Wadi-hier und Wadi-dort vorbereitet. Ein Vorschlag für dein nächstes Werk?
Hoi Thomas, ja die Bachläufe und Dörfer in Palästina könnten noch kommen, aber ich bin noch nicht fertig. Eine Verortung (eine Halluzination eher) musste ich zurückziehen und bei dem Bild mit den Beduinenzelten (Hs_0494b-0041-093-AL) gibt es noch viel zu hirnen und die Augen anzustrengen beim „Abfliegen“ schlechter Luftaufnahmen aus den 1940er-Jahren.