Mein Werkzeugkasten

Startseite Foren Ideensammlung Mein Werkzeugkasten

Ansicht von 5 Beiträgen - 1 bis 5 (von insgesamt 5)
  • Autor
    Beiträge
  • #23962
    Koni Kreis
    Teilnehmer

    Mein Werkzeugkasten

    Seit etwa sechs Jahren schlage ich mich mit den Bildern im ETH-Bildarchiv herum. Eine Ewigkeit. Und irgendwie beschleicht mich die Ahnung, dass wir mit der Arbeit des Verortens und Beschreibens nie fertig sein werden.

    Da stellt sich manchmal die Frage, ob man wie beim Fischen statt nur über die Fische auch über die Fischerruten reden sollte, soll heissen über die Werkzeuge und Methoden, mit denen man Infos zu den Bildern effizient und ohne allzu grosse Mühe herausfinden könnte.

    Ich möchte hier einmal die Handvoll Tools aufschreiben, die mir bei der Arbeit am besten gefallen und am meisten nützen.
    Vielleicht gibt es Kolleg*innen in der Bildarchiv-Crowd, die weitere Hilfsmittel kennen, die uns allen das Leben erleichtern würden.

    (1) Google Maps (www.google.ch/maps) ist ein ganz offensichtlich nützliches Tool, das mit den 3D-Ansichten das Verorten intuitiv möglich macht. Manchmal sind die Infos in Google Maps allerdings nicht ganz verlässlich.

    Manchmal muss ich (2) die App Google Earth Pro hinzunehmen, wenn ich z.B. zu Bergen hochsehen muss, weil das Standard Google Maps irgendwie einen “steifen Nacken” hat.

    (3) Fürs präzise Verorten braucht es gute topographische Karten, für die Schweiz sind dies die “Karten der Schweiz” von map.geo.admin.ch. Nannte man die Institution bisher nicht Swisstopo? Oft sind die 3D-Ansichten hier sogar präziser als die in Google Maps, und von den Häusern bekommt man hier realistischere sprich klarere Darstellungen. Immer häufiger kopiere ich mir jeweils eine Koordinate aus Google Maps und springe mit diesen Angaben zu den Swisstopo-Karten, wo ich dann die genauen Ortsangaben ablesen kann.

    (4) Eine Spezialität der “Karten der Schweiz” sind die Zeitreisen-Kartenwerke. Diese Karten sind unentbehrlich, wenn man zum Zeitpunkt der Entstehung eines Bilds zurückreisen will – denn es kann sein, dass die Terminologie der damaligen Zeit und nicht die von heute berücksichtigt werden muss. Manchmal muss man eben ein Thal gelten lassen…
    Historische Karten findet man gelegentlich auch in kantonalen GIS-Systemen, z.B. in jenem des Kantons Zürich (maps.zh.ch). Auf der linken Seite des GIS-Browsers kann man dort gewünschte Karten herausfiltern. Wenn man z.B. “wild” eingibt, dann erscheint die Historische Karte von Johannes Wild von ca. 1850.
    Für Deutschland habe ich einmal das Virtuelle Kartenforum der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) entdeckt, in dem Tausende von vor allem deutschen historischen Karten georeferenziert vorliegen (kartenforum.slub-dresden.de).

    (5) Das französische Pendant zu den Swisstopo-Karten ist das ebenfalls ausgezeichnete Portal geoportail.gouv.fr.
    Für Österreich habe ich letzthin das neue Portal maps.bev.gv.at entdeckt. Hier gefällt mir der übersichtliche Kartenstil mit der Beschriftung der Gegenden und Täler, die für Bildbeschreibungen häufig gut verwendet werden können.
    Bei anderen Ländern muss man immer etwas herumsuchen, bis man etwas Gescheites findet. Vielleicht hat jemand gute Tipps für z.B. Italien und Deutschland?

    (6) Manchmal findet man via OpenTopoMap (opentopomap.org) auch für entferntere Länder gute Angaben. Diese Karten bilden das Terrain einer Gegend gut ab, aber oft fehlen über Ortsnamen hinausgehende detailliertere Beschriftungen.

    (7) Es kann (seltene!) Fälle geben, wo man für eine Gegend ein Luftbild für ein ganz bestimmtes Datum bräuchte, wo man im ETH-Bildarchiv aber nichts Zutreffendes findet. Hier kann man im Luftbild-System von Swisstopo (LUBIS) nachschauen, entweder über die normalen “Karten der Schweiz” oder direkt über den LUBIS-Viewer von Swisstopo (siehe http://www.swisstopo.admin.ch/de/karten-daten-online/karten-geodaten-online/lubis.html).

    Neben Landkarten und Luftbildern gibt es viele weitere Tools, von denen ich nur diese Zufallsauswahl nenne:

    (8) Der Peakfinder erlaubt es, sich von einem wählbaren Standort aus die sichtbaren Berge anzeigen zu lassen. Wenn man von einem Bergpanorama also zur Orientierung wenigstens (aber bitte nur) die zwei wichtigsten Gipfel nennen will… (www.peakfinder.org)

    (9) Das Historische Lexikon der Schweiz (hls-dhs-dss.ch) enthält belastbare Informationen zu so ziemlich allen Dingen in der Schweiz von gestern und heute. Wir wissen ja, dass Wikipedia-Informationen mit Vorsicht zu geniessen sind. Infos aus dem HLS darf man aber mit gutem Gewissen verwenden.

    (10) Sehr wertvoll und oft unentbehrlich sind Datenbanken zu Baudenkmälern und sonstigen Kulturgütern. Leider sind solche Datenbanken oder Datensammlungen meistens nur in unterschiedlichen kantonalen oder sogar kommunalen Formen vorhanden. Es scheint manchmal, als ob diese Informationen in manchen Gegenden der breiten Öffentlichkeit nur sparsam zur Verfügung gestellt werden. Für den Kanton Thurgau verwende ich häufig das Thurgauer Hinweisinventar Bauten (https://map.geo.tg.ch/apps/denkmaldatenbank/) und gelange damit zu Gebäudenamen, alten Fotos und Datierungen.
    Bei den Baudenkmälern steige ich auch ohne Hemmungen in Wikipedia über den Link “Liste der Kulturgüter in …” in erste Abklärungen ein. Manchmal ist dann “der Fall” für mich mit dem Auffinden eines Bilds, welches das fragliche Gebäude darstellt, gleich schon erledigt.
    Einschub: Bei den Infos zu Bildern in Wikimedia Commons ist es dann oft schon wieder fertig mit der Freude, denn manche Fotografen sind wohl der Meinung, ihre Arbeit sei mit dem Drücken des Auslösers beendet. (Die noch schlimmeren Fotografen setzen ihr Foto dann noch auf den falschen Ort in Google Maps und vergessen, die richtige Bildorientierung anzugeben.)

    (11) Wertvoll sind Websites zu Themenspezifischem. Aber es ist schwierig, das Richtige zu finden.
    Letzthin habe ich http://www.industriekultur.ch entdeckt und konnte damit ohne grössere Schwierigkeiten Brücken im Urner Reusstal identifizieren.
    Wieweit diese Website beim Verorten der vielen Bilder der Stiftung Industriekultur mithelfen kann, die es im ETH-Bildarchiv gibt, kann ich noch nicht beurteilen.

    (12) Manchmal schaue ich über den Tellerrand hinaus in andere Bildarchive.
    Letzthin konnte ich mit Angaben und Bildern aus dem Baugeschichtlichen Archiv der Stadt Zürich (baz.e-pics.ethz.ch) und aus der Schweizerischen Nationalbibliothek (www.helveticarchives.ch) sinnvolle Infos gewinnen. Als Nebeneffekt erkenne ich oft, wie viel besser das ETH-Bildarchiv eingerichtet ist..

    Das Dutzend der Best Tools für die crowdsourcenden Personen ist voll.

    Nun nimmt mich wunder, welche hundert andere grossartige Werkzeuge ich noch nicht kenne, die ich mir aber unbedingt anschauen sollte.

    Ach und noch ein gutes Neues Jahr an alle!
    Koni Kreis

    #24019
    Koni Kreis
    Teilnehmer

    Interessante Tools sind die neuen Möglichkeiten, mittels eines Bilds Bilder suchen zu können – in der Hoffnung, dass die gefundenen Bilder dann einen Hinweis auf das Quellbild geben könnten – wenn das Quellbild nicht gleich schon in den Suchresultaten auftaucht.
    Ein paar wenige Male war ich mit “Google Lens” und “Microsoft Bing Visuelle Suche” schon erfolgreich. Am ehesten erfolgversprechend scheint mir die visuelle Suche bei Gebäuden. (Die Suche mit einem Eiffelturmbild wird garantiert den Eiffelturm liefern!)

    Hier ein aktuelles Beispiel, das erstaunlich, aber leider auch nicht völlig erfolgreich war.

    Bei den “Tessin, Bergell, Engadin”-Bildern (Ans_05319) gibt es noch einige Bergdorfansichten, die unverortet sind. Ich habe nun vom Bild Ans_05319-004 einen Ausschnitt der Kirche mit Turm gespeichert und damit in Google Lens eine Suche gestartet.
    Erstaunlicherweise wurde mir als erstes Element im Suchresultat genau diese Kirche angezeigt: Ein Bild mit exakt dieser Kirche ist enthalten in einer Website zum Maler Giuseppe (Josef) Haas Triverio (https://haas-triverio.ch/biografie). Der Bildtitel lautet: “Giuseppe Haas-Triverio mit den Malutensilien auf Wanderschaft in den Abruzzen”. Das ist etwas Pech, denn die Bildlegende hätte auch viel konkreter sein können. “Abruzzen” ist nun etwas gar generell, und ich misstraue der Angabe auch ein bisschen.
    Ich habe das Haas-Triverio-Bild dann noch in Microsoft Bing Visuelle Suche “gesteckt” und im Suchresultat wieder das Quellbild aus dem ETH-Bildarchiv gefunden.

    Mit anderen Worten: Diese Suche-via-Bild-Tools aus der KI-Schatzkiste haben Potential, aber für eine erfolgreiche Suche braucht es noch viel Glück. In den meisten Fällen regen die Suchresultate wenigstens die Fantasie etwas an.

    #24020
    Koni Kreis
    Teilnehmer

    Die Lösung zum gestern geschilderten Fall des Bilds der Dorfstrasse mit Kirche in gebirgiger Umgebung (Ans_05319-004) ist bereits gefunden.
    Einerseits wurde mir von Thomas Pfister bestätigt, dass die zwei Bilder wirklich vom selben Ort stammen müssen. Kurze Zeit später schickte er mir ein StreetView-Bild mit der definitiven Lösung.
    Andererseits bekam ich ebenfalls heute Sonntag vom Zuständigen der Stiftung Giuseppe Haas-Triverio, Sachseln, die richtige Ortsangabe.
    Das Bild zeigt die Dorfstrasse mit reformierter Kirche in Innerferrera, im Val Ferrera in Graubünden. Also wie vermutet nicht ein Dorf in den Abruzzen.
    Manchmal geht etwas ganz schnell.

    Das Einholen von Auskünften bei Bekannten, bei Fachleuten oder sonstigen externen Informationsquellen kann man schon nicht einfach als weiteres Tool im Werkzeugkasten bezeichnen.
    Aber in manchen Fällen ist es schon eine sinnvolle Vorgehensweise. Es entlastet einen auch ungemein, wenn man nach längeren fruchtlosen Recherchen einmal jemandem sagen kann: “Ich habe da einen interessanten Fall, ich habe schon dies und das gemacht und vermute das Folgende. Was meinst du oder meinen Sie dazu?”
    Sogar eine Antwort, der Fall sei wohl hoffnungslos, kann hilfreich sein. Denn man weiss dann, dass man nichts Offensichtliches übersehen hat.

    #24035
    Koni Kreis
    Teilnehmer

    Wir wollen ja von den Erfahrungen anderer recherchierender Personen lernen, deshalb hier kurz die Werkzeuge, die Thomas Pfister im Fall der Kirche von Innerferrera eingesetzt hat:
    – Er fand im ETH-Bildarchiv noch ein Bild der Kirche, von 1897, was schon fast eine Zeitreihe der Bauzustände der Kirche ermöglicht hat.
    – Die örtlichen Details der in der Strassenansicht unübersichtlichen hintereinander gestaffelten Gebäude wurden durch eine schräge Luftaufnahme deutlicher.
    – Und für die Details der Kirche und ihrer Geschichte nahm Thomas den Band zum Kreis Schams von “Die Kirchen und Kapellen des Kantons Graubünden” zu Hilfe. Darin waren die Renovationsjahre der Kirche dokumentiert: 1891, 1920, 1939/1940 und 1967. Die Datierung der Ansichten der Kirche lässt sich mit diesem Raster verbessern.

    Die zahlreichen Werke zu Kunstdenkmälern in der Schweiz sind leider in der Regel nicht online einsehbar und ihr Kauf ist finanziell anspruchsvoll.
    Herausragend ist die Reihe von bisher bereits 147 Bänden der “Kunstdenkmäler der Schweiz” der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (GSK). Einige Bände gibt es bereits als PDFs. Interessant auf der Website der GSK sind zahlreiche 360°-Rundsichten von Kunstdenkmälern. Beeindruckt haben mich zum Beispiel die Ansichten vom Basler Münster.

    #24037
    Koni Kreis
    Teilnehmer

    Es gibt noch die ganz einfachen Tools. Sie sind die wichtigsten.

    (1) Ich kann nicht arbeiten, ohne einige Notizzettel zur Hand zu haben.
    Darauf steht dann zum Beispiel: “weiter bei fel_030873″ (bedeutet: das nächste Mal weiter bei den Feller-Postkarten von der Gegend Catania, beim Bildcode fel_030873). Oder ich notiere: ” ‘lichtensteig’ 85/214″ (weiter mit den Bildern zu “Lichtensteig”, beim Bild 85 von insgesamt 214). Oder da steht: “aplinus” (bedeutet: bei Gelegenheit suchen nach weiteren Vorkommnissen dieser Fehlschreibung von “alpinus”).
    Der Vorteil der Notizzettel: nicht-digital, funktionieren ohne PC und elektrischen Strom. Und wenn sie abgearbeitet sind, kann man auch sie erledigen, schön längs und quer zerreissen und in den Kübel werfen. Ein Akt der Psychohygiene, es ist geschafft.

    (2) Manche Dinge muss man sich digital notieren, deshalb habe ich meistens ein Fenster der Windows Notepad/Editor App offen. So kann ich ausgeschnittene Textteile oder Zwischenresultate (z.B. “Blick nach ENE”) zwischenlagern und zusammenkopieren, bis ich sie dann in ein Feedback-Email ans ETH-Bildarchiv einfüge.

    (3) Beim Arbeiten mit Bildern ist es manchmal schwierig, schnell eine andere Bildsuche mit anderen Suchbegriffen oder ein Nachschlagen in der Bildarchiv-Schlagworthierarchie durchzuführen. Man verliert sonst viel Zeit, um an den Ausgangsort zurückzukehren.
    Für solche Abschweifungen ist es oft sinnvoll, eine zweite Sitzung von ba.e-pics.ethz.ch zu öffnen, entweder in einem zweiten Browserfenster auf dem gleichen PC oder noch besser vielleicht auf einem Laptop, den man sonst unbenutzt auch noch im Haushalt hat.
    Zwei Probleme müssen aber bedacht werden: Einerseits muss die zweite Browsersession wirklich unabhängig von der ersten laufen. Sonst ist das Chaos komplett. Man muss möglicherweise ein zweites Browserprodukt verwenden, damit es funktioniert (z.B. Chrome, wenn die erste Session mit MS Edge läuft). Und andererseits ist die Session-Timeoutzeit bei ba.e-pics.ethz.ch so kurz bemessen, dass das zweite Bildarchiv-Fenster bei nur gelegentlicher Benutzung sehr oft auf den Startzustand zurückspringt und man sich wieder hineinhangeln muss. Aber besser so als gar nicht.

    (4) Ein Wörterbuch sollten wir auch zur Hand haben, physisch oder online. Beispielsweise den Duden (www.duden.de).
    Denn unsere Kommentare sollten möglichst so geschrieben sein, dass sie von den Mitarbeitenden des Bildarchivs gesamthaft oder abschnittsweise direkt in die Datenbank übernommen werden können. Ich habe in den Bildkommentaren schon ein paar Vertippfehler entdeckt. Diese werden von der Weltöffentlichkeit für die Ewigkeit einsehbar sein – zusammen mit den Namen der Verfasser! Aber sterben tut man natürlich nicht daran. Und der Inhalt ist gewiss wichtiger als die Orthographie.

    Aufgefallen sind mir manchmal die Bindestriche bzw. das Fehlen von solchigen. Man schreibt im Deutsch nicht “Moränen Abriss”, sondern “Moränen-Abriss” oder “Moränenabriss”. Und man schreibt “über den Pont des Arts”, nicht “über die Pont des Arts”, und “auf der Piazza dei Pitti” und nicht “auf dem Piazza dei Pitti”. Bei letzterem Beispiel ist zu erwähnen, dass einem die Windows-Rechtschreibprüfung gerne aus einem italienischen “dei” ein deutsches “die” macht, sodass man beim Arbeiten mit nicht-deutschen Texten sich überlegen sollte, die Rechtschreibprüfung auszuschalten.
    Das grosse Thema will ich nicht weiter auswalzen.

    (5) Ein Synonymwörterbuch ist auch hilfreich, beispielsweise https://synonyme.woxikon.de
    Denn ein Berggipfel muss nicht immer so heissen, sondern könne auch Berg, First, Spitze, Horn, Gipfel, Kamm, Scheitel, Kuppe, Hügel, Höhenzug, Anhöhe, Höhenrücken, Fels oder Grat genannt werden. Seitdem ich auf das Wort “Anstieg” gestossen bin, verwende ich es gern, um sogar Berge zu bezeichnen, die man gar nicht richtig sieht: “links: Anstieg zum Wetterhorn” tönt doch richtig gut.

Ansicht von 5 Beiträgen - 1 bis 5 (von insgesamt 5)
  • Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.

Neueste Beiträge

Neueste Kommentare

Archive

Meta